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Unternehmerin Hoesch

Kreuzau

Die Wiege der Industrialisierung

„Willkommen in Kreuzau-Schneidhausen! Willkommen am Stammhaus der Hoesch- Familie! Mein Name ist Hermine Hoesch, und ich bin Teil der bewegten Vergangenheit einer der bedeutendsten Industriellenfamilien in Deutschland.

Industrialisierung und der Name Hoesch – das gehört hier in der Region eng zusammen und hat auch schon lange Tradition. Nicht umsonst gilt unser Stammhaus als der älteste noch existierende Industriestandort auf dem europäischen Festland. Dabei fing alles ganz klein an:

Mit einer Genehmigung für eine Eisenschneidmühle, die mein Vorfahr Leonard Hoesch im Jahr 1742 erhielt, begann genau an diesem Ort die Geschichte unserer Familie. Bereits ein Jahr später wurde der Bau, vor dem Sie jetzt stehen, errichtet.

Seit dieser Gründung hat unser Unternehmen und mit ihm unsere Familie den Wandel der Zeit überlebt: Kriege, Frieden, Zerstörung und Wiederaufbau prägten uns und führten uns durch gute und schwere Zeiten. Doch mit Entschlossenheit, Mut, Intelligenz und unternehmerischem Geschick ging es immer weiter.

Und neben allen wirtschaftlichen Veränderungen war ich selbst an diesem Ort der Vorreiter eines gesellschaftlichen Wandels: Als eine der ersten Frauen überhaupt, war ich es, die Ende der 1930er Jahre ein Unternehmen leitete! Mein Mann Lothar – eigentlich für diese Aufgabe vorgesehen – war nicht geeignet, die Firma mit den damals rund 300 Arbeitern und Angestellten in richtiger Weise zu führen.

Unternehmerin Hoesch in Kreuzau

Der älteste noch existierende Industriestandort auf dem europäischen Festland hat den Wandel der Zeit überdauert.

Glücklicherweise erkannte dies meine Schwiegermutter und machte sich auf die Suche nach einer Frau mit Grips und Energie, die die zu diesem Zeitpunkt heruntergewirtschaftete Firma auf Vordermann bringen konnte. Da kam ich gerade recht! Mit nicht mal fünfzig Kilo geballter Energie machte ich mich ans Werk und räumte den Laden auf – und das mit Erfolg!

So gelang mir der Beweis, dass eine Frau an der Spitze einer Firma durchaus akzeptabel war und nicht etwa eine Unmöglichkeit, wie es zu dieser Zeit noch in den meisten Köpfen der konservativen Dürener verankert war. Und nicht nur im Beruf saß ich am Steuer: Die erste Frau, die in Düren ein Automobil fahren durfte, war nämlich auch ich.“