fbpx

Schützenbruder am Grenzübergang

Effeld

Über den Grenzschmuggel und den Wandel des Ortes

„Genau hier auf holländischer Seite, steht seit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieges ein Haus, im Volksmund schon immer „Et Männke“ genannt. So hießen der Laden und die Gaststätte, die vom Geschwisterpaar Harry und Mie betrieben wurden. Und dort gab es so herrlichen und günstigen Kaffee, wie man ihn bei uns nie bekommen hätte.

Das Problem: früher war der Grenzübertritt an dieser Stelle verboten. Nach Holland durften wir nur am offiziellen Grenzübergang und nur mit gültigem Reisepass einreisen – nach einer gründlichen Kontrolle der Zöllner versteht sich!

Das war aber auch der Grund, weshalb das Geschäft bei Harry und Mie so florierte. An der Rückseite des Hauses gab es nämlich ein Loch in der Hecke und eine unscheinbare Hintertür, durch die wir alle regelmäßig ein- und ausgingen. Bis 1953 war die Kaffeesteuer ja so hoch, zuletzt 10 DM pro Kilo, dass wir uns unseren Kaffee bald nicht mehr hätten leisten können – hätte es da nicht „Et Männke“ gegeben.

Eine Geschichte ist besonders hängen geblieben: Seit Generationen war es hier in Effeld Brauch, dass am Kirmesmontag die Schützenbruderschaft nach der Messe gemeinsam über die Grenze nach „Et Männke“ marschierte. Einmal, um den billigen Genever zu trinken, aber auch um ordentlich Geld zu sparen! Zudem sollten Harry und Mie etwas verdienen, da sie sich beim alljährlichen Effelder Königsball immer sehr spendabel zeigten.

An einem Montagmorgen vor einigen Jahrzehnten war es mal wieder so weit. Der Schützenmajor wunderte sich noch über die große Beteiligung, denn sogar die halbe Jungfrauen-Kongregation marschierte im Gefolge. Nach etwa 2 Stunden bei Harry und Mie machten wir uns alle dann wieder auf den Rückweg.

Die Stimmung war famos: die Musik bliess aus allen Knopflöchern. Jeder Schütze hatte ein Mädchen im Arm und der aufmerksame Beobachter musste feststellen, dass sich alle in dieser kurzen Zeit sehr verändert hatten. Wie pralle Hafersäcke sahen die Rock- und Hosentaschen aus. Die Federhüte saßen erstaunlich hoch auf den Köpfen und die Damen hatten in den zwei Stunden merklich an Körperform zugenommen. Mühsam schleppten zwei Schützenkameraden die dicke Trommel und die Schläge auf dem Kalbsfell klangen auffallend dumpf.

An der Grenze am Anfang des Dorfes standen drei Zöllner. Sie waren schon seit einiger Zeit in Effeld stationiert und kannten den alten Brauch. Der Schützengeneral erfasste die Situation blitzartig. Als die Spitze des heiteren Schützenzuges bei dem Zöllnertrio angelangt war, erscholl sein Kommando „Achtung, die Augen links“.

Schützenbruder am Grenzübergang Effeld

Hier an der Grenze konnte man früher mit Kaffee bare Münze machen.

Und mit pochendem Herzen, aufgeblähten Taschen und spannenden Röcken marschierte die Schützen im Stechschritt an den dreien vorbei. Den Zöllnern schwoll bei dieser Achtungsbezeugung die Brust! Der eine zwirbelte seinen Schnäuzer, der andere legte gelassen die Hand an den Mützenschirm zum Dank und Gruß.

In Effeld angekommen, machten wir Schützen Halt an der Wirtschaft. Kaum war das „Weggetreten“ verklungen, da stob der ganze Zug wie eine erlöste Herde auseinander. Alle eilten nach Hause und verstauten das wertvolle Gut. Nachmittags waren alle Schützen und ihre Bräute dann wieder zur Stelle. Diesmal jedoch gestriegelt und schlank und rank wie eh und je.

In allen Häusern hat es während dieser Kirmes besonders lieblich nach Kaffee geduftet. Die Zöllner kamen abends ebenfalls zur Kirmes und wurden natürlich von der Schützenbrüderschaft ausgiebig ausgehalten.“